Der letzte Umkehrpunkt liegt hinter uns

Quelle: von Christopher Schrader in der Süddeutschen vom 13.05.2014

Die Gletscherschmelze in der Westantarktis ist wohl nicht mehr zu stoppen. Wissenschaftler zeichnen ein düstes Bild für die Zukunft der Eiskappen. Die Auswirkungen für den Meeresspiegel werden mit großer Wahrscheinlichkeit gravierend sein.

Sechs große Gletscher in der Antarktis haben offenbar ihren Halt verloren und rutschen unwiederbringlich ins Meer. Dessen Spiegel dürfte allein dadurch um 1,20 Meter ansteigen; der Prozess könnte aber einige Jahrhunderte dauern, wie amerikanische Forscher in zwei unabhängigen Studien aufzeigen. "Der Eispanzer der Westantarktis hat mit einem unumkehrbaren Rückzug begonnen", sagt Eric Rignot von der University of California in Irvine. Nichts könne die Gletscher noch stoppen. "Wir haben den letzten Umkehrpunkt hinter uns gelassen."

Die Studie von Rignot und seinem Team, darunter Forscher der Nasa, kombiniert viele Satellitenbeobachtungen. Die Späher haben immer wieder die Gletscher an der Amundsen-See vermessen, darunter den Thwaites- und den Pine-Island-Gletscher. Sie gelten seit Jahrzehnten als instabil, weil sie nicht auf trockenem Land ruhen, sondern in tiefen Trögen, und sich weit in den Ozean hinausstrecken. Ihren vordersten Haltepunkt haben sie auf dem Meeresgrund. Dort leckt warmes Wasser an der Basis, wie deutsche und britische Forscher mehrfach, teilweise mit einem autonomen U-Boot, gezeigt haben. Das Wasser mit Temperaturen um plus ein Grad wird vermutlich von Winden aus der Tiefe emporgezogen, die sich im Rahmen des Klimawandels verstärkt haben.

Rignot und sein Team haben zum Beispiel festgestellt, dass sich die Grenzlinie, wo sich der Pine-Island-Gletscher auf den Meeresboden stützt, zwischen 1992 und 2011 um 31Kilometer zurückgezogen hat. Vor dieser Linie schwimmt das Eis auf dem Wasser, aber dieses Schelf wird dünner: Im Satelliten lässt sich per Radar verfolgen, wie es sich im Rhythmus der Gezeiten hebt und senkt. Je weiter die Aufsetzlinie sich zurückzieht, desto weiter kann das warme Wasser das Eis der Basis abschmelzen - ein sich selbst verstärkender Effekt (Geophysical Research Letters, im Druck).

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So bedroht der Klimawandel die Freiheitsstatue

Quelle: Welt vom 22.05.2014

So bedroht der Klimawandel die Freiheitsstatue

Rund 30 nationale Monumente der USA sehen Wissenschaftler durch den Anstieg des Meeresspiegels oder Erosion gefährdet. Darunter ist der Hafen von New York und – gleich mehrfach – die Nasa.

In dem Film "The Day After Tomorrow" (2004) von Roland Emmerich bekommt New York die ganze Wucht des Klimawandels zu spüren. Durch das Versiegen des Golfstroms bildet sich ein Supersturm, dessen Wellenberge sich über die Stadt ergießen. Am Ende steht die Freiheitsstatue wie schockgefrostet in einer apokalyptischen Landschaft.

Auch wenn sie dem Horrorszenario einer schlagartigen Abkühlung der Nordhalbkugel nicht folgen wollen, finden amerikanische Naturwissenschaftler in Emmerichs Versuchsanordnung einen wahren Kern. Die Freiheitsstatue im Hafenvon New York sei wirklich gefährdet, resümiert ein Bericht der Union for Concerned Scientists (UCS; Verband besorgter Wissenschaftler) in Cambridge (Massachusetts). Und nicht nur sie. Auch der New Yorker Ellis Island, der berühmten Einwandererstation in Sichtweite der Freiheitsstatue, drohe die Überflutung.

Insgesamt listen die Forscher rund 30 Nationaldenkmäler der USA auf, die infolge des Klimawandels von Überflutungen, Erosion oder Waldbränden bedroht seien. Darunter sind so illustre Orte wie der Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida, die Bandelier Wilderness mit den Denkmälern der Vorläufer der Pueblo-Kultur in New Mexico oder die Historische Marineakademie in Annapolis (Maryland).

Vor allem historische Monumente in Küstennähe seien in Gefahr, heißt es. Dazu gehört Jamestown in Virginia. Das 1607 gegründete Fort auf einer Insel im James River war die erste dauerhafte britische Siedlung in Nordamerika. Sie existierte bereits, als die Pilgerväter mit der "Mayflower" an Land gingen.

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Antarktis-Gletscherschmelze "unumkehrbar"

Quelle: n-tv Online vom 13.05.2014

Das mit Sorge beobachtete Schmelzen von Eismassen in der Antarktis beschleunigt sich zunehmend. Nach Ansicht von US-Forschern ist der Vorgang in der West-Antarktis nicht mehr umkehrbar. Sie rechnen mit einem Anstieg des Meeresspiegels um drei bis vier Meter weltweit.

Gletscherschmelze mit Domino-Effekt: Der Zusammenbruch des Eisschildes in der Westantarktis ist neuen Studien zufolge wohl nicht mehr zu stoppen. Der Thwaites-Gletscher könnte aufgrund der Klimaerwärmung schon in 200 Jahren, spätestens aber in gut 1000 Jahren verschwunden sein. Der Gletscher, der in die Amundsen-See mündet, dient als Stütze der benachbarten Eismassen. Kollabiert er, könnten weitere Gletscher rasch folgen. Unterdessen mahnten Experten in Berlin, dass in vielen Meeren die Fischbestände schrumpfen werden - ein entscheidender Grund ist auch hier die Erwärmung.

Die schnelle Schmelze des Thwaites-Gletschers ergibt sich aus Computersimulationen, die in der Fachzeitschrift "Science" vorgestellt wurden. Der globale Meeresspiegel steige in der Folge um etwa 60 Zentimeter, schreiben Forscher um Ian Joughin von der Universität von Washington in Seattle. Ein komplettes Abschmelzen des westantarktischen Eisschilds als Folge des Klimawandels würde demnach zu einem Anstieg um drei bis vier Meter führen.

Punkt, von dem es kein Zurück gibt

Daten aus vier Jahrzehnten wiesen darauf hin, dass die sechs in die Amundsen-See mündenden Gletscher den Punkt schon passiert haben, von dem an es kein Zurück mehr gibt, schreibt auch ein Team um Eric Rignot von der Universität von Kalifornien in Irvine (USA) in den "Geophysical Research Letters". Allein das schmelzende Eis dieser Gletscher könne die Meeresspiegel um etwa 1,2 Meter steigen lassen.

Der Klimawandel lässt nicht nur die Gletscher schmelzen, er macht auch vielen Fischen zu schaffen. Wärmeres Wasser macht den Tieren das Leben schwer - auch geringerer Sauerstoffgehalt und wachsende Versauerung tragen dazu bei. Viele Bestände werden sich deshalb in kühlere Regionen verlagern und deutlich reduzieren - unter anderem in Nord- und Ostsee, wie Experten im Vorfeld des Europäischen Tag des Meeres am 18. Mai berichteten. "Bis zum Jahr 2050 ist eine Abnahme der Bestände von mehr als 20 Prozent zu erwarten", sagte Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.

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