Die große Schwester aller Probleme

Quelle: Kommentar von Michael Buchmüller in der Süddeutschen vom 09.06.2014

 

Klimapolitik ist mehr als Kohle und CO₂, auch die Überfischung der Meere und das Verschwinden der Arten können Staaten nur gemeinsam lösen. Es ist der Test darauf, ob die Welt sich selber Grenzen setzen kann - bevor sie schmerzhaft an ihre Grenzen stößt.

 

Zum Beispiel Phosphor. Der menschliche Körper braucht es, die Landwirtschaft auch: Als Dünger ist Phosphor unverzichtbar. Zu dumm, dass die globalen Vorkommen begrenzt sind, künstlich herstellen lässt er sich nicht. Die Forscher streiten, ob der Höhepunkt der Förderung seit Jahren überschritten ist oder bald bevorsteht. Klar ist nur, dass die Welt in einen gefährlichen Phosphor-Engpass steuert. Das nur mal als Beispiel.

 

Denn eng wird es allenthalben: bei brauchbaren Böden, bei Rohstoffen, in den Weltmeeren, bei sauberem Wasser und der Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Seit einem guten Jahrhundert haust die Menschheit, oder zumindest ihr wohlhabender Teil, wie ein Lotto-Millionär, der jedes Maß verloren hat - und irgendwann verdutzt feststellen muss, dass alles Geld weg ist.

 

Mit dem Unterschied, dass es an Wissen um die Folgen des Raubbaus nicht mangelt; dass es oftmals auch an Alternativen nicht fehlt, sei es eine sorgsame Landwirtschaft, der Aufbau von Rohstoff-Kreisläufen oder schlicht erneuerbare Energie. Nur lebt es sich so bequem, wenn alles weitergeht wie gehabt.

 

Es geht um mehr als Kohle und CO₂ - es geht um globales Maßhalten. Überall

Nirgends lässt sich der Zusammenhang zwischen aktuellem Wachstum und künftigen Problemen so eindrucksvoll ablesen wie am Klimawandel. Bis zum heutigen Tage beruht das Erfolgsmodell alter wie neuer Wirtschaftsmächte in erster Linie auf der Verbrennung fossiler Rohstoffe.

 

Ungeachtet aller Erkenntnisse über den Zusammenhang von Kohlendioxid und Klimawandel, ungeachtet aller Bekenntnisse zur Umkehr - und auch ungeachtet aller Alternativen zu fossiler Energie. Bei der Ausbeutung begrenzter Ressourcen steckt keiner gern zurück. Sonst könnten ja andere danach greifen.

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Der letzte Umkehrpunkt liegt hinter uns

Quelle: von Christopher Schrader in der Süddeutschen vom 13.05.2014

Die Gletscherschmelze in der Westantarktis ist wohl nicht mehr zu stoppen. Wissenschaftler zeichnen ein düstes Bild für die Zukunft der Eiskappen. Die Auswirkungen für den Meeresspiegel werden mit großer Wahrscheinlichkeit gravierend sein.

Sechs große Gletscher in der Antarktis haben offenbar ihren Halt verloren und rutschen unwiederbringlich ins Meer. Dessen Spiegel dürfte allein dadurch um 1,20 Meter ansteigen; der Prozess könnte aber einige Jahrhunderte dauern, wie amerikanische Forscher in zwei unabhängigen Studien aufzeigen. "Der Eispanzer der Westantarktis hat mit einem unumkehrbaren Rückzug begonnen", sagt Eric Rignot von der University of California in Irvine. Nichts könne die Gletscher noch stoppen. "Wir haben den letzten Umkehrpunkt hinter uns gelassen."

Die Studie von Rignot und seinem Team, darunter Forscher der Nasa, kombiniert viele Satellitenbeobachtungen. Die Späher haben immer wieder die Gletscher an der Amundsen-See vermessen, darunter den Thwaites- und den Pine-Island-Gletscher. Sie gelten seit Jahrzehnten als instabil, weil sie nicht auf trockenem Land ruhen, sondern in tiefen Trögen, und sich weit in den Ozean hinausstrecken. Ihren vordersten Haltepunkt haben sie auf dem Meeresgrund. Dort leckt warmes Wasser an der Basis, wie deutsche und britische Forscher mehrfach, teilweise mit einem autonomen U-Boot, gezeigt haben. Das Wasser mit Temperaturen um plus ein Grad wird vermutlich von Winden aus der Tiefe emporgezogen, die sich im Rahmen des Klimawandels verstärkt haben.

Rignot und sein Team haben zum Beispiel festgestellt, dass sich die Grenzlinie, wo sich der Pine-Island-Gletscher auf den Meeresboden stützt, zwischen 1992 und 2011 um 31Kilometer zurückgezogen hat. Vor dieser Linie schwimmt das Eis auf dem Wasser, aber dieses Schelf wird dünner: Im Satelliten lässt sich per Radar verfolgen, wie es sich im Rhythmus der Gezeiten hebt und senkt. Je weiter die Aufsetzlinie sich zurückzieht, desto weiter kann das warme Wasser das Eis der Basis abschmelzen - ein sich selbst verstärkender Effekt (Geophysical Research Letters, im Druck).

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So bedroht der Klimawandel die Freiheitsstatue

Quelle: Welt vom 22.05.2014

So bedroht der Klimawandel die Freiheitsstatue

Rund 30 nationale Monumente der USA sehen Wissenschaftler durch den Anstieg des Meeresspiegels oder Erosion gefährdet. Darunter ist der Hafen von New York und – gleich mehrfach – die Nasa.

In dem Film "The Day After Tomorrow" (2004) von Roland Emmerich bekommt New York die ganze Wucht des Klimawandels zu spüren. Durch das Versiegen des Golfstroms bildet sich ein Supersturm, dessen Wellenberge sich über die Stadt ergießen. Am Ende steht die Freiheitsstatue wie schockgefrostet in einer apokalyptischen Landschaft.

Auch wenn sie dem Horrorszenario einer schlagartigen Abkühlung der Nordhalbkugel nicht folgen wollen, finden amerikanische Naturwissenschaftler in Emmerichs Versuchsanordnung einen wahren Kern. Die Freiheitsstatue im Hafenvon New York sei wirklich gefährdet, resümiert ein Bericht der Union for Concerned Scientists (UCS; Verband besorgter Wissenschaftler) in Cambridge (Massachusetts). Und nicht nur sie. Auch der New Yorker Ellis Island, der berühmten Einwandererstation in Sichtweite der Freiheitsstatue, drohe die Überflutung.

Insgesamt listen die Forscher rund 30 Nationaldenkmäler der USA auf, die infolge des Klimawandels von Überflutungen, Erosion oder Waldbränden bedroht seien. Darunter sind so illustre Orte wie der Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida, die Bandelier Wilderness mit den Denkmälern der Vorläufer der Pueblo-Kultur in New Mexico oder die Historische Marineakademie in Annapolis (Maryland).

Vor allem historische Monumente in Küstennähe seien in Gefahr, heißt es. Dazu gehört Jamestown in Virginia. Das 1607 gegründete Fort auf einer Insel im James River war die erste dauerhafte britische Siedlung in Nordamerika. Sie existierte bereits, als die Pilgerväter mit der "Mayflower" an Land gingen.

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