Ressourcen für 2014 sind schon aufgebraucht

Quelle: n-tv vom 19.08.2014

Bereits heute ist der Tag erreicht, an dem die Ressourcen der Erde für 2014 erschöpft sind. Die restlichen viereinhalb Monate des Jahres lebt die Menschheit damit "auf Pump". Erschreckend: Jahr für Jahr tritt dieser "Welterschöpfungstag" früher ein.

Die Menschheit verbraucht mehr, als eine Erde hergibt: Sämtliche natürlichen Ressourcen für das Jahr 2014 sind der Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) zufolge schon jetzt aufgebraucht. Der 19. August sei in diesem Jahr der "Welterschöpfungstag", teilte der WWF mit. Mehr könne unser Planet innerhalb eines Jahres nicht regenerieren und damit nachhaltig zur Verfügung stellen. Für den Rest des Jahres lebe die Menschheit "auf Pump" und zehre von den stillen Reserven der Erde - auch auf Kosten der kommenden Generationen.

In diesem Jahr sei der "Welterschöpfungstag" (Englisch: Overshoot Day) schon einen Tag eher erreicht als 2013 und sogar drei Tage eher als 2012, zeigten die Berechnungen des Global Footprint Networks. Die Analysen dieser Organisation "messen den Verbrauch an natürlichen Ressourcen und die Ressourcenkapazität von Nationen über Jahre hinweg". Anhand der Daten - etwa 5400 Datenpunkte pro Jahr und Land - wird der "Fußabdruck" von 150 Nationen ermittelt, und das bereits seit 1961. Der ökologische Fußabdruck zeigt an, wie viel Fläche gebraucht wird, um alle Bedürfnisse nach Ressourcen (inklusive Energie) zu befriedigen.

Besonders besorgniserregend laut WWF: Die Menschheit verbrauche schon seit 30 Jahren mehr Ressourcen, als auf Dauer und nachhaltig vorhanden seien. "Die Menschheit häuft nicht nur seit drei Jahrzehnten bei der Natur neue Schulden an, sondern beansprucht in jedem Jahr auch einen immer größeren Kreditrahmen", warnt WWF-Vorstand Eberhard Brandes. Die Auswirkungen der Übernutzung der Erde würden durch Artensterben, Klimawandel und Wassermangel bereits heute überaus deutlich.

Schon der "Living Planet Report 2012" des WWF, eine alle zwei Jahre erscheinende Studie zum "Gesundheitszustand der Welt", kam zu den Erkenntnissen, dass wir bis zum Jahr 2030 zwei Planeten benötigten, "um unseren Bedarf an Nahrung und nachwachsenden Rohstoffen zu decken", wenn die Menschheit weiter so lebte wie bisher.

Die gesamte Pressemeldung auf den Seiten von n-tv

Die große Schwester aller Probleme

Quelle: Kommentar von Michael Buchmüller in der Süddeutschen vom 09.06.2014

 

Klimapolitik ist mehr als Kohle und CO₂, auch die Überfischung der Meere und das Verschwinden der Arten können Staaten nur gemeinsam lösen. Es ist der Test darauf, ob die Welt sich selber Grenzen setzen kann - bevor sie schmerzhaft an ihre Grenzen stößt.

 

Zum Beispiel Phosphor. Der menschliche Körper braucht es, die Landwirtschaft auch: Als Dünger ist Phosphor unverzichtbar. Zu dumm, dass die globalen Vorkommen begrenzt sind, künstlich herstellen lässt er sich nicht. Die Forscher streiten, ob der Höhepunkt der Förderung seit Jahren überschritten ist oder bald bevorsteht. Klar ist nur, dass die Welt in einen gefährlichen Phosphor-Engpass steuert. Das nur mal als Beispiel.

 

Denn eng wird es allenthalben: bei brauchbaren Böden, bei Rohstoffen, in den Weltmeeren, bei sauberem Wasser und der Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Seit einem guten Jahrhundert haust die Menschheit, oder zumindest ihr wohlhabender Teil, wie ein Lotto-Millionär, der jedes Maß verloren hat - und irgendwann verdutzt feststellen muss, dass alles Geld weg ist.

 

Mit dem Unterschied, dass es an Wissen um die Folgen des Raubbaus nicht mangelt; dass es oftmals auch an Alternativen nicht fehlt, sei es eine sorgsame Landwirtschaft, der Aufbau von Rohstoff-Kreisläufen oder schlicht erneuerbare Energie. Nur lebt es sich so bequem, wenn alles weitergeht wie gehabt.

 

Es geht um mehr als Kohle und CO₂ - es geht um globales Maßhalten. Überall

Nirgends lässt sich der Zusammenhang zwischen aktuellem Wachstum und künftigen Problemen so eindrucksvoll ablesen wie am Klimawandel. Bis zum heutigen Tage beruht das Erfolgsmodell alter wie neuer Wirtschaftsmächte in erster Linie auf der Verbrennung fossiler Rohstoffe.

 

Ungeachtet aller Erkenntnisse über den Zusammenhang von Kohlendioxid und Klimawandel, ungeachtet aller Bekenntnisse zur Umkehr - und auch ungeachtet aller Alternativen zu fossiler Energie. Bei der Ausbeutung begrenzter Ressourcen steckt keiner gern zurück. Sonst könnten ja andere danach greifen.

Den gesamten Kommentar auf den Seiten der Süddeutschen

Der letzte Umkehrpunkt liegt hinter uns

Quelle: von Christopher Schrader in der Süddeutschen vom 13.05.2014

Die Gletscherschmelze in der Westantarktis ist wohl nicht mehr zu stoppen. Wissenschaftler zeichnen ein düstes Bild für die Zukunft der Eiskappen. Die Auswirkungen für den Meeresspiegel werden mit großer Wahrscheinlichkeit gravierend sein.

Sechs große Gletscher in der Antarktis haben offenbar ihren Halt verloren und rutschen unwiederbringlich ins Meer. Dessen Spiegel dürfte allein dadurch um 1,20 Meter ansteigen; der Prozess könnte aber einige Jahrhunderte dauern, wie amerikanische Forscher in zwei unabhängigen Studien aufzeigen. "Der Eispanzer der Westantarktis hat mit einem unumkehrbaren Rückzug begonnen", sagt Eric Rignot von der University of California in Irvine. Nichts könne die Gletscher noch stoppen. "Wir haben den letzten Umkehrpunkt hinter uns gelassen."

Die Studie von Rignot und seinem Team, darunter Forscher der Nasa, kombiniert viele Satellitenbeobachtungen. Die Späher haben immer wieder die Gletscher an der Amundsen-See vermessen, darunter den Thwaites- und den Pine-Island-Gletscher. Sie gelten seit Jahrzehnten als instabil, weil sie nicht auf trockenem Land ruhen, sondern in tiefen Trögen, und sich weit in den Ozean hinausstrecken. Ihren vordersten Haltepunkt haben sie auf dem Meeresgrund. Dort leckt warmes Wasser an der Basis, wie deutsche und britische Forscher mehrfach, teilweise mit einem autonomen U-Boot, gezeigt haben. Das Wasser mit Temperaturen um plus ein Grad wird vermutlich von Winden aus der Tiefe emporgezogen, die sich im Rahmen des Klimawandels verstärkt haben.

Rignot und sein Team haben zum Beispiel festgestellt, dass sich die Grenzlinie, wo sich der Pine-Island-Gletscher auf den Meeresboden stützt, zwischen 1992 und 2011 um 31Kilometer zurückgezogen hat. Vor dieser Linie schwimmt das Eis auf dem Wasser, aber dieses Schelf wird dünner: Im Satelliten lässt sich per Radar verfolgen, wie es sich im Rhythmus der Gezeiten hebt und senkt. Je weiter die Aufsetzlinie sich zurückzieht, desto weiter kann das warme Wasser das Eis der Basis abschmelzen - ein sich selbst verstärkender Effekt (Geophysical Research Letters, im Druck).

Den gesamten Artikel auf den Seiten der Süddeutschen

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